Neues Weihnachtsrepertoire - Kgl. MGV Marienchor Eupen

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Neues Weihnachtsrepertoire

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Sphärenkläne im Dauerregen
Die hereingerauschte Kaltfront von Tief Victor ergab wellige Bewegungen und fasste wenig Tritt. Seit den frühen Morgenstunden erreichte sie dann die Eifel:  es fuhr eine kräftige Böe durchs Land, der anschließend nahezu Windstille folgte und dann öffneten sich die Schleusen des Himmels. Es gab ordentlich etwas von oben drauf in Form von Dauerregen, sodass dieser Probetag im Haus der Begegnung von Nidrum regelrecht eingeseift wurde.
Nach den musikalischen Leistungen vom vorausgegangenen Wochenende hätte auch Chorleiter Heinz Piront allen Grund gehabt, als Victor hereinzurauschen… Weit gefehlt: es ist nicht seine Art, nachzukarten und seine Hände in offene Wunden zu legen. Zu Beginn ein kurzes Statment zum Malmedy-Konzert: mangelnde Erdung des Ensembles aufgrund der verspäteten Ankunft im Kulturzentrum, ausladende äußere klimatische Bedingungen (die auch die drei eingesetzten Heizstrahler nicht auffangen konnten), auffallende Schräglagen in gut kalkulierbarem Partituren-Milieu.
Und dann wurden die Blicke auch schon wieder nach vorne gerichtet: erste Sichtung bzw Begehung der neuen Stücke für die anstehende Advents- und Weihnachtszeit – mit Blick auf das große Galakonzert am Sonntag, 17. Dezember 2017 zum 50-jährigen Bestehen der Konzertreihe „Weihnachten in der Stadt“ in der Eupener St. Nikolauskirche. Und zur Pause gab es für jeden Sänger ein Glas Sekt aus der Kühlbox des Chorleiters, Gastgebergeschenk des MGV „Royale Union Wallonne“ beim Festival „Au Coeur du cloître“.
19 Chorstimmen proben Galakonzert
07.50 Uhr: Mit vollem Mund, einem Butterbrot in der Hand, Partiturentasche über der Schulter begrüßen sich teils mehr, teils weniger ausgeschlafene Chorbrüder am vereinbarten Sammelparkplatz. In Fahrgemeinschaften geht es südwärts ins ca 30km entfernte „Haus der Begegnung“ im beschaulichen Eifeldörfchen Nidrum.
08.15 Uhr: Der Chorleiter und eine Handvoll Sänger sind schon vor Ort und beginnen mit dem Herrichten des Proberaumes und dem Aufbau des E-Pianos. Nach einigem Suchen findet sich auch der absolut benötigte Trafo…
08.30 Uhr: Das Proberaum füllt sich langsam, ca. 89% der Sänger sind anwesend. Die Einen packen ihre Noten aus, die anderen „whatsappen“ noch rasch der Lieben zu Hause, dass sie im Regengeplätscher heil angekommen sind. Frühstücksapfel und Croissant werden zu Ende gegessen.
08.32: Notenwart René verteilt die neuen Weihnachtsstücke
08.35: Die Anwesenden interessieren sich für mitgebrachte Vinyl-Tonträger, auf denen u.a. das Sem Pospeste von Willy Mommer jun. zu hören ist.
08.40 Uhr: "ja, ich geh‘ lieber vorher noch mal kurz!", tönt da einer bei den Tenören. Und verlässt diskret den Raum.
08.40 Uhr: Andreas und seine Wagencrew treffen ein. Dies ist der magische Moment, in dem man davon ausgehen kann, dass alle da sind!
08.45 Uhr: Es wird in allen Ecken diskutiert oder gefachsimpelt.
08.50 Uhr: Machtwort des Chefs. Erstes Aufwärmen, erste Einsingübungen.
09.00 Uhr: "The ground“ ein achtstimmiger Auszug aus der „Sunrise Messe“ des norwegischen Zeitgenossen Ola Gjeilo:
  • nachdem der Chorleiter auf die heftigen Tonwechsel auf den Seiten 5 und 6 hingewiesen hat, bittet er die zweiten Bässe um ein schönes „A“. „Denkt ein „H“ oder ein ansaugendes „A“, beides ist möglich“;
  • Werner „geht mal schnell aufs Klo“, Cédric nimmt einen Wasserschluck aus der Flasche;
  • Takt 64: „mu---nds“, sehr gut, das habt ihr gleich richtig gesungen;
  • Takt 73: ja, welches wird dann die nächste Note sein? Die Sänger finden ihn mehr oder weniger präzise, der Chorleiter lächelt und beginnt bei den Bässen mit Tonfindungsübungen;
  • Bevor die Partituren beiseitegelegt werden, mahnt der Dirigent, jeden Tag 5 bis 10 Minuten die Noten zur Hand zu nehmen. Dies sei effizienter, als einmal pro Woche, da unter diesen Voraussetzungen „das Proben einfacher wird“ .

09.15: „Krippenlied“ komponiert und geschrieben am 30. Oktober 1955 von Willy Mommer, jun.:
  • Frage des Dirigenten: Ist das Stück von Willy Mommer handgeschrieben worden? (worauf Axel einwendet: ist aber mit der Schreibmaschine geschrieben…“). Antwort: Da müsste Ehrenmitglied Walter gefragt werden (Andreas: „ Wenn er sich denn einfangen lässt“). Christoph zeigt dem Chorleiter W. Mommers Handschrift anhand einer Aufzeichnung auf seinem Smartphone.
  • das ganze Stück wird erst einmal komplett durchgesungen. Dirigent am Schluss: “(…) … Und draußen weht der Wind“!
  • Axel gähnt,
  • Takt 4: @ 2. Bass: singt „deer“ anstatt „däär“.
  • Takt 5: @ 2. Bass: gebt den Tönen Fülle: „Gürtel auf!“
  • Takt 6:  Chorleiter Heinz: „Über die Treffsicherheit bei dieser Oktavnote haben wir noch nicht ausdiskutiert“.
  • Takte 12 und 13: die Bässe werden aufgefordert schneller zu artikulieren.
  • Dirigent fragt: „Die dritte Strophe passt zu Begräbnis, Tod. War Willy Mommer ein melancholischer Mensch?“ Axel: “War eher ein gemütlicher Mensch, … wenn er sich nicht aufregte …“
  • Zum Abschluss lässt der Dirigent das ganze Stück im Stehen singen. Seine Eingangsbemerkung: „Wenn beim ersten Ton alle Frequenzen stimmen, ist das Stück gut angelaufen; wenn der erste Ton nicht überall sauber gesungen wird, ist es Schitt“.
Zwischendurch gibt es die eingangs erwähnte Sektpause. „Nights of silence“ von Daniel Kantor werden die nächsten Probeeinheiten gewidmet.
10.25: „Stars“ aus der Feder des 1977 geborenen baltischen Komponisten Eriks Esenvald:
  • Takt 19: @ 2. Bass: „Die Sphärentöne müssen stimmen“. Schreibt gerne in die Partitur hinein, was euch zur Orientierung hilft, sonst landen wir auf einen anderen Stern“. @ Bariton: Singt jetzt mal! Ihr erzählt vom Himmel über unseren Köpfen. Seht ihr die Parallelen zum Tenor?“
  • Takte 25-30: Chorleiter: „Sieht nach wenig aus, ist aber sehr komplex!“
  • Takte 41-59: Chorleiter: “Optimal, wäre es, in vier Takteneinheiten durchzusingen“;
  • Takt 57: „Wichtige Note für den Bariton“
  • Takte 62-76: Heribert: „Sollen wir hier chorisch atmen oder kurz absetzen? Chorleiter:“ Bleibt wie eine Wolke schön drüber“. Heribert: „OK, also wie eine Betonplatte!“
  • Der Chor singt das Stück von Beginn an. Nach 14 Takten bemerkt Dirigent Heinz: „Einiges ist verdampft, in den Wolken…“ @ 2. Bass: „Bis Taktende 11 bitte den Ton halten!“
Wiedersehen mit unserer Freundin Olga Heck
Nach „Sem pospeste“ (W. Mommer), „Der Feuerreiter“ (M. Neumann) und "Salmo 150“ (E. Aguiar) gehen die einen um 13 Uhr zum wohlverdienten Mittagessen, während andere nach Hause fahren. Im Verlauf des Mittagessen kommt es - unerwartet - zur Begegnung mit unserer alten Freundin Olga Heck, die sich jahrelang um unser leibliches Wohl kümmerte und inzwischen in den wohlverdienten "Ruhestand" trat.
Bonus für die kommenden Projekte
Gute Laune, Schaffensfreude, gute Musik, Aufgeschlossenheit für neue Klänge und die dazu passende Portion Humor rangen dem Dauerregen den Rang ab und ließen diese Probezeit zu einem richtungsweisenden Erlebnis werden. Diese Arbeiten werden ein Bonus für die kommenden Donnerstagsproben sein. Ganz gewiss!
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