Hotel Koch - Kgl. MGV Marienchor Eupen

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Hotel Koch

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Hotel Koch
Alt-Eupener Vergnügungsstätte


Das Hotel Koch war ein bevorzugter Unterkunftsort für Geschäftsreisende und für die zahlreich hier tagenden Eupener Vereine. Hinter dem Hotel wurde 1867 ein großer Festsaal errichtet, der vor einigen Jahren einem Brand zum Opfer fiel.
Das Hotel Koch in der Eupener Paveestraße war lange Jahrzehnte hindurch zusammen mit dem Hotel Reinartz am Rathaus eine auch auswärts bestens bekannte Gaststätte.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dann hinter der Rückfront, frei im Garten stehend, ein geräumiger Saal mit seinen sieben großen Fenstern errichtet, ein in seiner schmucklosen, aber gut proportionierten Architektur recht gefälliger Bau, der von einem schönen Bestand alter Buchen umgeben war. Hinter ihm erhob sich später neben dem anstoßenden Garten »Casino«, ein Übungsturm der Feuerwehr, bevor dessen Nachfolger auf das Gelände hinter dem alten Bahnhof an der Herbesthaler Straße verlegt wurde.
Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts gehörte das Hotel der Witwe Koch, die, auf einen schwarzen Ebenholzstock gestützt, umherging und in dem florierenden Betrieb überall nach dem Rechten sah. Nach ihrem Tod ging das Hotel, das seinen renommierten Namen behielt, auf ihren Schwiegersohn Wilhelm Schmitz über, der sich ebenfalls als guter Gastwirt einen Namen machte. Er hatte sieben Kinder, von denen die fünf Söhne alle im Hotel- und Gastwirtfach blieben und deren Jüngster, August Schmitz, später noch als Ökonom in Koblenz lebte.
Das Hotel besaß auch, wie es damals Sitte war, einen Pferdeomnibus, der zu jedem Zug an den Bahnhof fuhr, um die Reisenden abzuholen oder dorthin zurück zu bringen. Dieses viersitzige Gefährt nannte man nach seinem Aussehen damals »Dudewagel«. Die oft riesigen und gewichtigen Koffer der Handlungsreisenden wurden dann beim Besuch der Geschäfte vom Hausknecht auf einer mit zwei Hunden bespannten Stoßkarre durch die Straßen gefahren. Das Hotel besaß auch, wie es damals erforderlich war, eine Ausspannung und Stallung für etwa 15 bis 20 Pferde.
Wilhelm Schmitz war eine in Eupen überall bekannte Persönlichkeit. Er war Kommandant der Feuerwehr und spielte eine große Rolle im Leben der Vereine, die in seinem Lokal ihre Feste abhielten. Da war der Turnverein 1848 (Haere-Turner), die »Eintracht«, die »Gymnastik«, die »Liedertafel«, die »Concordia«, der »Garde- und Marine-Verein«, das »Korps der Kampfgenossen«, der »Radfahrclub«, um nur einige aus der großen Anzahl der damaligen Vereine zu nennen.
Während der schönen Jahreszeit fanden jeden Sonntag Gartenfeste statt, bei denen die Räume mit Fähnchen, großen Wappenadlern und Lampions geschmückt wurden. Häufig wurde dort auch ein »Bal champêtre« abgehalten, bei dem auf einem Holzpodium getanzt wurde. Ein »Hupfeld Orchestrion« spielte die damals modischen Tänze, den langsamen, veralteten Lancier, Walzer, den Tango, bei dem sich deutlich das unterschiedliche Temperament der stets zahlreichen Besucher aus Verviers neben der bedächtigeren Art der Eupener zeigte. Zum Tanz spielte meist die Kapelle Evers. Bei Regen wurden die Feste im Saal abgehalten. Dort saß man auf Stühlen, die von den Stammgästen misstrauisch betrachtet wurden, weil sich an den vorstehenden Nägeln schon mancher die Kleider zerrissen hatte.
Während der Zweiten Weltkriegs wurde der große Gartensaal als Ausweichlager benutzt und war bei der Befreiung im September 1944 mit großen Porzellanvorräten gefüllt.
In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fanden hier noch diverse Festlichkeiten, Wahlversammlungen, Theatervorstellungen, Kappenabende sowie Ausstellungen und Auktionen statt. Schließlich ging die Ära des Hotels Koch langsam zu Ende. Der große Saal fiel schließlich auch noch einem Großbrand zum Opfer. Und heute lebt das ehemalige Hotel Koch nur noch in der Erinnerung, als Vergnügungsstätte ... aus der guten alten Zeit.

© Leo Kever, GrenzEcho, 23. Juli 2011



Ein Blick in die Vergangenheit des Eupener Volksfestes mit Tradition
Zur Kirmes wurde das ganze Haus geputzt
Im Hotel Koch in der Paveestraße fanden die großen Kirmesbälle und sonstige Vergnügungen statt.
Ein »Hupfeld Orchestrion« spielte hier zum Tanz auf. Es ersetzte eine 25 Mann starke Musikkapelle.

Die Eupener haben es immer verstanden, Kirmes zu feiern. Wenn man heute in alten Tageszeitungen blättert, gelangt man zu der Feststellung, dass die Kirmes früher doch ein viel größeres und schöneres Volksfest war als heute. Von weit und breit, von hüben und drüben kam man für diese Tage nach Eupen.
In den Familien wurde mit Hochdruck gearbeitet. Alles musste einen festlichen Eindruck machen. Auch die Kirchensänger übten fleißig für die Gestaltung des Festhochamtes. In den Backstuben herrschte Hochbetrieb. In jeder Familie gab es ein »Kirmesessen« vom Feinsten und auf der Kaffeetafel gab es reichlich Kuchen, Eupener Platz und Fladen.
Der große Hausputz
Fleißiger noch als sonst hatten die Hausfrauen in den letzten Wochen geschafft, den großen Hausputz zu Ende zu führen, indes die Männer ums Haus herum für Ordnung sorgten, Zäune, Türen, Fensterrahmen und gar der Giebel wurde mit neuer Farbe überstrichen. Es waren Tage der Arbeit, die dem Fest vorangingen. Aus den blitzblanken Stuben strömte schon Tage vor dem Kirmesfest der süßliche Duft von Platz und Fladen, der würzige Geruch des Festbratens, der schon seine erste Bräune erhalten hatte, entgegen.
Kurzum unsere Vorfahren hatten die Nase schon voll von Kirmes. Das sollte allerdings nicht bedeuten, dass man schon genug vom Kirmestreiben hatte. In den damals noch zahlreichen Backstuben herrschte zur Kirmeszeit Hochbetrieb. Die Kunden brachten ihrem Bäcker mehr oder weniger Butter und Schmalz, wie sie für ihr Gebäck wünschten.
Da lag dann ein Paketchen neben dem anderen mit dem Namen versehen und wartete darauf, mit dem Teig vermengt zu werden. Der Name auf Papier geschrieben, wurde dann in einer Ecke in den Platz oder in den Klosmann eingedrückt und mitgebacken. Eine reich gefüllte Festtafel gehörte an den Kirmestagen dazu.
Aber schließlich war der Eupener immer fürs Feiern, besonders aber zum Kirmesfeiern zu haben. Hatte es doch immer seine Reize, im Kreise der Familie, zusammen mit dem »Besuch«, an einem mit Kuchen und Fladen überladenen Kaffeetisch zu schmausen. Den Appetit konnte dabei dem Vater und der Mutter auch nicht das Drängen der Kinder verderben, die so schnell wie möglich auf den Kirmesplatz wollten, oder auch ihr lautes Feilschen um genügend Kirmesgeld.
Vergnügen machte es immer wieder, »mit versammelten Mannschaft« zum Werthplatz zu ziehen und sich an der Freude der Karussell fahrenden Kinder zu erfreuen. Auf dem großen Platz vor der Werthkapelle standen die »Komiedenwägels«, die in den letzten Tagen vor dem großen Volksfest von den Kindern mit lauten Freudengeschrei empfangen worden waren. So begrüßte die Eupener Jugend laut die Kirmesleute in den Zufahrtsstraßen, wenn diese in unsere Stadt einfuhren, um unser altes Volksfest vielseitig gemütlich und lustig zu gestalten. Manche Kinder liefen ihnen bis Kettenis, gar bis Merols entgegen, um den frohen Einzug mitzuerleben.
Kaffee, Fladen, Platz
Alt und Jung, groß und klein amüsierten sich stets an den drei Kirmestagen. Die Hauptsache bei der Eupener Kirmes war immer wieder, dass alle miteinander die Tage der Kirmes in Freude und Zufriedenheit verbracht hatten, dass ihnen diese Tage frohes Erinnern und Erleben zugleich gewesen waren. Vor nunmehr 70 Jahren schrieb ein hiesiger Lokalreporter über den damaligen Besuch auf dem hiesigen Kirmesplatz folgende interessante Einzelheiten: »Aus blauem Himmel, an dem sich wohl im Laufe des Tages einige Wolken zeigten, die aber weiter keine ’Folgen’ zeigten, lachte am Kirmessonntag die Sonne. Das schuf von vornherein gute Kirmesstimmung, und als die Stunde der Eröffnung der Kirmes da war, ging’s auf dem Werthplatz schon recht hoch her. Buben und Mädels warteten gespannt auf den Einsatz der Musik und auf die erste Fahrt. In vollem Umfang legte der eigentliche Kirmesbetrieb gewohnheitsmäßig am Nachmittag ein, als auch die Großen sich einfanden, nachdem in Anschluss an das Ruhestündchen nach opulentem Kirmesmahl der Kirmeskaffee met Flam änn Platz eingenommen war.«
Kirmeswanderung
Zwischen Buden, Karussells, Autobahnen und anderen Attraktionen fand die »Wanderung« statt, bei der man allerdings am besten jede Unterhaltung unterließ, weil doch alles im Lärm der Kirmesorgeln und einer mehr oder weniger ohrenbetäubenden Schallplattenmusik unterging. Mit Interesse, mit einem Lächeln oder auch mit »gemischten Gefühlen« betrachteten die Besucher die einzelnen Unternehmungen, ehe sie sich zum Mitmachen entschlossen.
Stunde für Stunde blieb man so auf dem Werthplatz, traf hier einen Bekannten, begrüßte dort einen alten Eupener, der draußen in der Fremde wohnte, aber zur Kirmes nach alter Überlieferung die Heimatstadt wieder aufsuchte. Zum Abend war im Schein der unzähligen Lichter das Bild nicht weniger bunt und lebhaft, es ging weiter hoch her, bis auch die Unentwegtesten mehr oder weniger gehfest den Heimweg antraten.«


© Leo Kever - GrenzEcho, 18. Juni2011


Das Jazhr 1913 im Überblick

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