Paul Voncken - Kgl. MGV Marienchor Eupen

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Paul Voncken

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Jeden Sänger fördern, ihm etwas beibringen
und ihm das Gefühl geben, dass er über sich selbst hinauswachsen kann
Am 1. Januar 2019 hat der Niederländer Paul Voncken das Dirigentenpult beim Kgl. MGV Marienchor übernommen und ist nun musikalischer „Chef“ der zurzeit 32 aktiven Chorbrüder. Der bisherige Chorleiter Heinz Piront hatte zum Jahreswechsel nach 21 sehr erfolgreichen Jahren seinen Abschied genommen.
Über Paul Voncken
In den Mund gelegt ...
"Vor kurzem war ich in Roermond bei den Limburgse Koordagen. Was mir auffiel, war, dass einige Leute mit so viel Leidenschaft sangen, dass ich emotional berührt war. Dann wurde mir klar: "Singen ist die Enthüllung deiner Seele". Kein anderes Instrument kann das so gut wie die Stimme. Ich arbeite seit über 42 Jahren mit Chören und habe erlebt, was das Singen für Menschen, ob Sänger oder Zuhörer, erst so richtig zum Vergnügen macht. Aus diesem Grunde kann ich dieses fantastische Festival jedem Liebhaber des Gesangs und jedem, der auch die tiefere Seele in der Musik sucht, nur empfehlen!"
(Paul Voncken über das Festival "Vocallis")
Vita
  • * 1960 in Beek (NL)
Ausbildung: Schulmusik, Chorleitung und Orchesterleitung an der Musikhochschule in Maastricht. Weiterbildungen in Chorleitung und Musikinterpretation im In- und Ausland.
  • Von 1991 bis 1996 und von 2009 bis - erster Dirigent der Mastreechter Staar. Er dirigierte den Chor in dieser Zeit bei rund hundert Konzerten im In- und Ausland, unter anderem 1995 anlässlich einer Konzertreise durch Kanada (Ontario, Quebec).
  • Verschiedene Gastdirigenten-Verpflichtungen und Einladungen als Chorpädagoge und Gesangscoach
  • Jurymitglied bei musikalischen Wertungsveranstaltungen
  • Leitet gegenwärtig auch die Gesangsgruppe "Seven".
  • Seine musikalischen Interessen erstrecken sich nicht nur auf Chor- und Orchestermusik. Darüber hinaus ist er als Komponist/Arrangeur tätig.
  • Organisiert kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art.

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Über die Musik
Wie bist du zur Musik gekommen?
Die ersten Impulse kamen aus der Familie meines Vaters (Familie Stassen?), in der alle Amateurmusiker waren, die sich ihre Kenntnisse durch Selbststudium erwarben: unter anderem dirigierten sie Blaskapellen.
Meine Eltern legten Wert darauf, dass alle vier Kinder zumindest versuchten, ein Instrument zu spielen. Rasch erlernten die vier Geschwister das Klavierspiel; ich spielte zusätzlich noch das Schlagzeug in der örtlichen Fanfare.
Mit 13 Jahren wurde ich Organist in meiner Heimatgemeinde Beek. Ein Onkel meines Vaters, der ebenfalls in Beek die Orgel spielte, weckte in jungen Jahren mein Interesse für Gregorianik und Kirchenmusik.
Nach meinem Schulabschluss: Musikstudium am Konservatorium von Maastricht mit Schwerpunkt Klavier. Durch einen Unfall musste ich kurz vor der Prüfung die Klavierklasse aufgeben und folgte einer Ausbildung zum Musiklehrer. Mit 19 Jahren wurde ich Dirigent des Kirchenchores in Beek. Die hier gesammelten Erfahrungen ließen den Entschluss reifen, am Maastrichter Konservatorium zunächst das Lehrfach „Chorleitung“ und danach „Orchesterleitung“ zu belegen. Ergänzt wurden diese Studiengänge durch Seminare im Ausland.

Spielst du ein Instrument?
Orgel und Klavier. Das Querflötenspiel musste ich leider vernachlässigen, da mir für die Fortführung der anspruchsvollen Spieltechnik  die Zeit zum regelmäßigen Üben fehlt.

Was macht dir an deiner Chorleitertätigkeit am meisten Spaß?
Ich bin seit 1979 Chorleiter (also seit inzwischen 40 Jahren!) und im Grunde ein geduldiger Mensch. Hier trenne ich nicht zwischen Musikdirigieren und Musikmachen. Dirigat ohne Stimme ist genauso absurd wie Stimme ohne Dirigat, beide können nicht ohne einander. Das Gemeinschaftliche ist außerordentlich wichtig.
Es freut mich am meisten, jeden Sänger zu fördern, ihm etwas beizubringen und ihm das Gefühl zu geben, dass er über sich selbst hinauswachsen kann. Während der wöchentlichen Probe möchte ich, dass sich die Sänger zwei Stunden lang voll konzentrieren, sich investieren und mitmachen. Engagement und Wille zur Leistung des Chorleiters und der Sängergemeinschaft müssen zusammenwachsen! Im November ist wieder Einstufung; ich setzte die Latte dem Potential der Chorstimmen entsprechend sehr hoch und möchte in den nächsten Wochen und Monaten den Willen zur Höchstleistung wecken und festigen. Wir wollen intensiv an uns arbeiten, 90 Prozent möchten wir schaffen.

In welchem „Ideal-Ensemble“ möchtest du selber singen?
In einem gemischten Kammerchor auf hohem Niveau mit 4 bis 5 Besetzungen je Stimme, dessen Repertoire alle Musiksparten umfasst. Das Engagement in diesem Ensemble sollte eine echte musikalische Herausforderung sein und mich „auf Trab halten“ (= „et houd mij scherp“), die regelmäßig durch eine Jury eingeschätzt würde. Es muss herausfordernd sein. „Et houd mij scherp“.

Weshalb sind die Aufwärm- bzw. Einsingübungen vor der Probe und vor dem Auftritt so wichtig?
Die Erkenntnisse haben sich in den letzten 40 Jahren weiterentwickelt:  zwei Stunden singen bedeutet im Grunde Hochleistungssport. Und wie beim Sport  bedarf es vor jeder „Übung“ einer Aufwärmphase. Diese zehn Minuten – ich versuche sie spielerisch zu gestalten - sind von entscheidender Bedeutung, da sie die Achtsamkeit auf den eigenen Körper ausrichtet: Kontrolle der Atmung, Mundstellung, Zungen- und Gaumenstellung. Eigentlich bereitet sich der Sänger im Verlauf dieser Aufwärmphase vor, seine Klänge so zu transportieren, wie sie der Dirigent vernehmen möchte. Dieser Bewusstseinsprozess steht am Anfang jeder guten musikalischen Leistung.

Welche Chöre leitest du außerdem?
Von September 2018 bis Ende Februar 2019 habe ich ad Interim den Mannenkoor Sittard geleitet.
Ich leite außerdem seit ( xxx) das Damenensemble  „Vocalgroep  Seven“. Hier handelt es sich um ein kleines Ensemble, wo auf jede einzelner Stimme Verlass sein muss. Bei der Interpretation von Folk- und Jazzrepertoire „in close harmony“ erzeugen wir durch differenzierte Tonfärbung (Blending) ganz andere Klänge.

Welches sind deine persönlichen musikalischen Interessen?
Ich ziehe mich gerne zurück und lausche – je nach Laune - unterschiedlichen Musikrichtungen. Da kann es passieren, dass ich mich genauso von Gustav Mahler begeistern lasse, wie von Diana Krall, einer Komposition von Eric Withacre oder einem „alten Meister der Popmusik“.

In irgendeinem Zusammenhang fiel die Bemerkung „Piano-Paulchen“. Wie müssen wir das verstehen?
Ja, in der Tat, vor vielen Jahren wurde mir der Spitzname „Piano-Paulchen“ gegeben. Das hat damit zu tun, dass ich grundsätzlich ganz besonders großen Wert darauf lege, dass jeder Klang aus dem Nichts, aus der Stille entsteht.  Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als einen Chor, der imstande ist, leise zu singen und das Publikum in seinen Bann zieht… Wenn nämlich ein Chor gut „piano“ singen kann, schafft er alle dynamischen Profile.

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Über den Marienchor
Unser Foto: Paul Voncken (2.v.l.) mit Vertretern des Vorstands
Wie bist du auf den Marienchor gestoßen?
Der Marienchor ist zu mir gekommen (lacht). Vor einigen Jahren dirigierte ich „Cantabile“ und da wurde mir in irgendeinem Zusammenhang über den Marienchor berichtet. Ich habe sogleich im Internet gesurft und habe mir Tonbeispiele angehört, die mich beeindruckten. Letztes Jahr erfuhr ich von meinem Kollegen Jori Klomp, dass ihn der Marienchor als Chorleiter engagiert hatte, ihm aber ein lukratives Angebot vom Stadttheater Aachen ins Haus geflattert war. Er hat mich gefragt, ob ich – an seiner Stelle – Interesse hätte ….

Wie würdest Du den Stil (Ausdrucksweise) des Marienchores beschreiben?
Der Chorklang ist sehr elegant, offen und warm. Er eignet sich sehr für das romantische Repertoire. Zurzeit besteht ein gewisser Bedarf, den Chorklang den Erfordernissen des romantischen Repertoires anzugleichen. Grundsätzlich gilt, dass der Marienchor seine Klangbandbreite erweitern sollte, indem er die Parameter der jeweiligen Zeit- oder Stilepoche entdeckt und musikalisch umsetzt.

Gibt es etwas, was den Marienchor von anderen Männerchören unterscheidet?
Tatsächlich stehen viele jüngere Chorbrüder zwischen 30 und 40 Jahren in den Reihen. Das ist in dieser Zeit schon sehr bemerkenswert!  Der Chor präsentiert sich in hoher Qualität ausschließlich „a cappella“, was man eigentlich nirgendwo mehr erlebt.

Der Marienchor entsendet Chorbrüder in eine "Musikkommission"...
In einer „Kohabitation“ zwischen Chorleiter und Musikkommission werden Vorschläge eingebracht, musikalische Wünsche und Vorstellung abgeglichen, Kompromisse geschlossen und Abmachungen getroffen. Sollte es nicht zu einem Konsens kommen, möchte ich das letzte Wort behalten, denn schließlich trage ich ja auch die Verantwortung. Grundsätzlich geht es darum, dass ich selber immer hinter allen Entscheidungen stehen muss.

Viele Chöre, sowohl gemischte als auch Männerchöre, klagen über Nachwuchsmangel. Wie siehst du das im Marienchor? - Ist er betroffen?
Vom Altersaufbau her steht der Chor als gesunde Struktur da, denn er scheint zurzeit im Vergleich zu anderen Männerchören, keinen Nachwuchsmangel zu kennen. Nein, ganz und gar nicht, denn der älteste Marienchorsänger ist genauso alt, wie der jüngste Sänger in den meisten Männerchören! Und das freut natürlich den Chorleiter sehr (lacht…)!

Worauf wird es im November 2019 beim 13. Födekam-Klassierungssingen ankommen?
Mein größter Wunsch wäre, dass wir es schaffen, dem Zuhörer „Gefühle und Emotionen“ zu vermitteln: „Was erzählen wir, wie transportieren wir das Erzählte in die Ohren der Zuhörer?“ Der Weg dorthin erfordert Engagement und Begeisterung, den Willen, Musik beseelen zu wollen und herauszukitzeln, was hinter den Noten steht.
Wir arbeiten zurzeit an einer echten musikalischen Herausforderung: „A une passante“. Es handelt sich um ein Stück mit einer hochromatischen Textaussage von Baudelaire aus dem Jahr 1855, die einem „nichtromantischen“ und sehr zeitgenössischen Notenbild des niederländischen Komponisten Hans Leenders gegenübersteht. Die künstlerische Herausforderung besteht darin, diese beiden „Gegensätze“ zu verschmelzen. Ich möchte hinzufügen, dass es nicht leicht ist, solche Gegensätze zu verbinden, denn es besteht immer das Risiko, dass man schnell allzu sehr übertreibt.

Was fehlt dem Chor zurzeit noch?
Wenn die Frage auf die kommende Einstufung hinauszielt, möchte ich bemerken, dass dem Chor im Verhältnis zur letzten Einstufung (November 2015) noch 10 kleine Prozent fehlen…. (lacht)…. Ja, in der Tat sind 90 Prozent der Punkte das erklärte Ziel!
Um nach diesen Sternen greifen zu können, bedarf es einer Steigerung des Engagements innerhalb der Chorgemeinschaft. Im Augenblick ist das Verhalten noch zu relax, es fehlt zurzeit noch die richtige mentale Einstellung zur Höchstleistung! Ich erwähnte eingangs, dass wir auf diesem Niveau eine Art Leistungssport betreiben; das bedeutet mitunter echte harte Arbeit! Das gut entwickelte musikalische Gedächtnis der Sängergemeinschaft erleichtert diese Herausforderung. Eine junge stimmliche Aufstockung ist bereichernd und daher jederzeit willkommen!

Was bedeutet „effiziente“ und „zielorientierte“ Arbeit?
Die Chorgemeinschaft muss sich Hilfestellungen und Werkzeuge zunutze machen: Probeseminare als Studientag oder -wochenende, mp3-Dateien mit der jeweiligen Chorstimme als Hilfe beim Heimstudium. Probeeinheiten mit einem „fremden Dirigenten“, damit den Sängern eine differenzierte Sichtweise auf Vokaltechnik vermittelt wird. „Außenstehende Dirigenten senden und empfangen auf anderen Frequenzen…“

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Über die Gedanken im Hinterkopf des Chorleiters…
Welches werden die ambitionierten musikalischen Schwerpunkte der kommenden 12 Monate sein?
Headliner dieses Jahres 2019 ist natürlich das erfolgreiche Abschneiden beim Klassierungssingen im November. Ich möchte den Chorklang erweitern und flexibler gestalten. Zurzeit entspricht er eher dem romantischen Repertoire, in dieser Bandbreite klingt er am besten. Diese Klangpalette möchte ich ausdehnen.
Projekte wie die Teilnahme am Sängerwettstreit in Roermond (Oktober) und beim Chormeeting in Aarschot (Mai) passen gut in dieses Konzept. Wir wollen andererseits aber auch nicht ausschließlich proben und studieren, sondern auch hinausziehen, um neue Kontakte zu knüpfen und es gut miteinander zu haben.
Vom kommenden Jahr an möchte ich mehr zeitgenössische Chorliteratur einstudieren. Andererseits wollen wir das Repertoire erweitern, indem wir Musik „für das Volk“ machen und nicht bloß für Feinschmecker. Ich denke da an die Aufführung von Jazz oder Pop-Arrangements, ab und zu mit Klavierbegleitung oder sogar mit einer klassischen Jazz-Combo (Schlagzeug, Piano, Kontrabass). Ideen gibt es viele…!

Publikum überraschen …
Ich möchte das Publikum gerne auch mit musikalischen Leckerbissen überraschen. Und bei diesen Gedanken erinnere ich mich gerne an den schwedischen Männerchor Orphei Drängar, der jedes Jahr ein - als im Vorfeld bestgehütetes Geheimnis gehandeltes - Überraschungskonzert präsentiert: Niemand weiß, was er vorhat… Das Resultat besteht aus Chormusik und szenischer Darstellung -  mit dem einen oder anderen „special guest“. .

Wir untehielten uns mit Paul Voncken am 7. uns 14. März 2019
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