Oedipus Rex - Kgl. MGV Marienchor Eupen

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Oedipus Rex

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Stravinsky-Oper als Tanzproduktion
mit Marienchor-Gesang
Drei ausverkaufte Vorstellungen beim Start des Festivals „Pays de danses“

Eupen/Lüttich.- Die letzten Wochen und Monate haben die individuelle und kollektive Musikalität der 32 Marienchorsänger hörbar optimiert! Am gestrigen Freitag senkte sich im Lütticher Kulturzentrum „Le Manège“ nach drei restlos ausverkauften Vorstellungen zum letzten Mal der Vorhang.

Es werden wohl insgesamt 2000 überwiegend junge Besucher gewesen sein, die an drei Abenden Stravinskys „Oedipus Rex“ in einer fulminanten Szenografie als vollendete Bühnenvorstellungen applaudierten.

"Pays de danses“
„Im Verlauf der drei vorausgegangenen Ausgaben hat das Festival eindeutig seinen Stammplatz im kulturellen Leben der Euregio und dort auch sein Publikum gefunden.
Die Menschen zwischen Rhein und Maas interessieren sich für den zeitgenössischen Tanz: der Beweis muss nicht erst noch erbracht werden“, schildert Rodrigo Albea vom veranstaltenden Lütticher „Théâtre de la Place“.
Seit Dienstag und bis zum 3. März 2012 präsentieren im gesamten Euregio-Raum während vier Wochen Tanzformationen aus 9 Ländern im Verlauf von 21 Vorstellungen Kostproben aus Kreativität und Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes: als Event, als virtuoses Meisterwerk  oder ganz einfach  für die breite Öffentlichkeit.
Seit 2006 setzt der Veranstalter auf enge Zusammenarbeit mit Partnern, sowie auf Dezentralisierung der Ausführungsorte.
Und so kommt es, dass das Festival sowohl an den Lütticher Kulturstätten (Théâtre, Manège, Pôle Image, Chiroux) als auch in der Region  (wie beispielsweise in Eupen oder Aachen) zahlreiche Menschen in seinen Bann zieht. „Das Theater aus dem Käfig holen und Vorstellungen wie auch Zuschauer auf die Reise schicken“, beschreibt Theaterdirektor Serge Rangoni die künstlerische Philosophie des Projekts.

Marienchor-Sänger von Pest gezeichnet
Die 32 Marienchor-Sänger wurden durch Dirigent Heinz Piront, Repetitor Antoni Sykopoulos und nicht zuletzt durch den aus Berlin für das Projekt engagierten musikalischen Gesamtleiter Max Renne bis in die schwierigsten Text-, Synkopen-, Triolen oder Taktwechselpassagen eingewiesen.
Zu guter Letzt hatte die argentinische Choreographin Constanza Macras das Sagen: in Spanisch, Englisch, Französisch und in Deutsch vermittelte sie den aufmerksamen Marienchor-Statisten kurz vor der Premiere ihre Darstellungsphilosophie: Sein, Macht und Dominanz, Schuld und  Leiden – mitten drin die universelle Oedipus-Figur – sollten glaubhaft in Szene gesetzt werden. Und den Marienchor plazierte sie  sogleich in ihr  erstes Bühnenbild.
Als die Eupener Tenöre, Baritone und Bässe  bei der Premiere hustend auf der Tanzbühne standen, war es nicht um ihre Gesangskapazitäten geschehen. Ganz im Gegenteil! Gleich im ersten ‚tableau‘ wiesen sie die Besucher in das Hintergrundgeschehen des Ödipus-Dramas  ein: von der Pest gezeichnet waren sie die Thebaner, aus dessen Reihen sich mit und mit die acht Tänzer des von Constanza Macras geleiteten Gorkipark-Ensembles loslösten und eindrucksvoll die Darstellung der tödlichen Gefahr in Szene setzten.

"Genießt es!"
Für die Marienchor-Sänger sollte die wohl ungewöhnlichste künstlerische Verpflichtung der letzten 20 Jahre ihren Lauf nehmen – im September 1991 beteiligten sich die Sänger unter Dirigent Ferdinand Frings im Auftrag der „Opéra Royal de Wallonie“ an 12 Nabucco-Aufführungen vor insgesamt 36000 Besuchern im Lütticher Sportpalast.  Chorleiter Heinz Piront vor dem ersten Auftritt: “Genießt es – genießt alles! Es ist einmalig in einer Sängerkarriere!“ In schwarzer Kleidung, Partitur in der Hand, gingen die Eupener Sänger in ihre Ausgangsposition. Es konnte endlich losgehen.

Solisten, Chor und Orchester in sicheren Händen
Während auf der Bühne das Dorkipark-Ensemble die getanzte Choreografie – hervorragend durch Constanza Macras inszeniert! – des Sophokles-Dramas darstellte und die jungen Berliner Gesangssolisten sowohl tänzerisch/schauspielerisch als auch gesanglich ihre besten Visitenkarten ablegten, verschmolzen im „off“ – für die Besucher also unsichtbar – Chor und Musiker des Lütticher philharmonischen Orchesters unter der musikalischen Gesamtleitung des Berliner Dirigenten Max Renne zu einer synchronen und ausdrucksstarken musikalischen Einheit. Zeitgenössischer Tanz und Live-Musik gestalteten sich zu einer ansprechenden und faszinierenden Darstellung - genauso hatte es sich der Veranstalter ganz besonders gewünscht.

Max Renne – mit besten Referenzen von der Spree an die Maas gereist
Der 37-jährige Dirigent dieser Stravinsky-Oper, der Berliner Max Renne, reiste bereits eine Woche vor der Premiere an, um sich intensiv in Eupen (mit den Marienchor-Sängern) und in Lüttich (mit den Gesangssolisten, dem Orchester und dem Tanzensemble) auf die Einstiegsveranstaltung zum Festival „Pays de danses“ einzustimmen. Die erste Begegnung mit den Eupener Sängern im Kolpinghaus an der Bergstraße ließ sogleich erkennen, wo es hingehen sollte: Präzision in den Einsätzen, Dynamik, felsenfeste Intonation und klare Aussprache waren die Primäransprüche des mit ausgezeichneten Referenzen angereisten Berufsmusikers: „Im Probenprozess ein Stück wachsen zu sehen, das macht mich glücklich und auch ein wenig stolz“.

Wien, Linz, Bayreuth
Max Renne begann seine musikalische Ausbildung im Rahmen eines Vorstudiums an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« und studierte später Dirigieren an der Hochschule für Musik in Wien.
1996 gewann er den Dirigentenwettbewerb für Operette in Baden bei Wien und wurde ans Landestheater Linz als Solorepetitor engagiert, während er sein Studium an der Stuttgarter Musikhochschule bei Thomas Ungar fortsetzte. Im Sommer 1999 war er Stipendiat in Bayreuth. 2000 übernahm er in Linz die Position des Studienleiters und Kapellmeisters. In dieser Position erarbeitete er sich ein umfassendes Opernrepertoire.
Außerdem betreute er viele Produktionen als musikalischer Leiter, für die er auch zum Teil eigene Arrangements schrieb. Im Magazin der Berliner „Staatsoper Unter den Linden“ betreute er parallel zu seinem Engagement in Linz die Produktionen »Die Blume von Hawaii«, »HypOp I« und die Uraufführung »Seven Attempted Escapes from Silence«.

Freiberuflicher Dirigent
Seit 2004/2005 ist Max Renne als freiberuflicher Dirigent tätig.
Nach seinem Debüt im Großen Haus der Lindenoper mit der Neuproduktion "Die lustige Witwe" dirigierte er 2006/2007 Repertoire-Vorstellungen der "Zauberflöte" und betreute 2007/2008 unter anderem die Wiederaufnahme von Donizettis "L'elisir d'amore".  In der gleichen Spielzeit erarbeitete er als musikalischer Leiter mit Sebastian Baumgarten "Tosca" an der Berliner Volksbühne.

Neue Ausdrucksmöglichkeiten
Als musikalischer Leiter erarbeitete er 2009 mit der Choreographin Constanza Macras deren erstes Opernprojekt "Ödipus Rex" im Kulturzentrum Hellerau mit der Dresdner Philharmonie.
Max Renne war schon immer von neuen Formen des Musiktheaters begeistert. Die Zusammenarbeit mit der Berliner Künstlergruppe "bauhouse", mit der er seit Jahren weltweit Konzerte gibt, bedeutete auch für ihn einen wichtigen Schritt. In der Verschmelzung und dem Dialog von klassischen Orchesterklängen und der audiovisuellen Musik der drei Künstler sieht er enormes Potenzial für neue Ausdrucksmöglichkeiten.
Eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Sebastian Baumgarten auch im Schauspiel ergänzt sein vielseitiges Spektrum.

Constanza Macras und die Dorkypark-Tanzkompanie

Die 42-jährige in Buenos Aires geborene argentinische Choreografin Constanza Macras gründete 2002 die internationale Tanztruppe mit Sitz in Berlin. Seit 2003 arbeitet die Kompanie mit der Dramaturgin Carmen Mehnert zusammen und erschafft Stücke, die Tänzer, Schauspieler und Musiker mit Künstlern zwischen 4 und 72 Jahren zusammenbringen und Text, Live-Musik, Tanz und Video miteinander kombinieren.
Als Opernregisseurin hat Constanza Macras im Lütticher „Manège“ mit Igor Strawinskys Opernoratorium
„Oedipus Rex“ von 1927 (in lateinischer Sprache) nach dem antiken Drama des Sophokles eine große künstlerische Herausforderung angenommen. Unter einer Vielzahl herab-hängender Möbelstücke älterer und neuerer Machart um ein übergroßes festlich weißes Frau¬engewand setzt Macras mit dem besonderen Bewegungsspiel ihrer Tänzerinnen und Tänzer dem eher archaisch und klar strukturierten musikalischen Geschehen eine Abfolge von Bildern entgegen. So gelingt es ihr über weite Strecken, die Menschheitsgeschichte von echter und falscher Blindheit, von der Furcht davor, was noch alles aus der Vergangenheit aufsteigen könnte, ganz menschlich zu erzählen. Unter den auf und ab sinkenden Gegenständen des Alltäglichen kämpfen die Tänzer mit den Grenzen und Begren¬zun¬gen ihrer Körperlichkeit. Sie sind mit immensen Kräften selbst bei flüchtigen erotischen Verknotungen bestrebt, sich dem entgegenzustellen, was sie herunterzieht, wir erleben eine Abfolge von Fällen über die Unvermeidbarkeit des Fallens.
Die Dorkypark-Kompanie von Constanza Macras spielt in einem Labyrinth aus Verstri¬ckun-gen, mögen sie den darin Irrenden bewusst oder unbewusst sein. Aber immer sind es ja scheinbar Mächte, die vorherbestimmen, was gar zu gerne ausgeführt wird, um es dann zu verdrängen.

Internationale Zusammenarbeit erfolgreich bestätigt
Die eingangs erwähnte angestrebte Zusammenarbeit mit künstlerischen Partnern wurde gleich zu Beginn des diesjährigen Biennale-Festivals eindrucksvoll und erfolgreich bestätigt. Beteiligt an dieser Co-Produktion des Lütticher „Théâtre de la Place“ und dem Berliner  „Hebbel am Ufer-Theater“ waren neben Constanza Macras  und ihrer Dorkypark-Tanzkompanie das „Centre Europén des Arts“, unterstützt durch die deutsche Bundesstiftung für Kultur, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin und der Berliner Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten. Das Projekt ist Teil des Programms von „RegioTheater & RegioTanz: www.regiotheatertanz.eu.


Zitate, Stimmen & Reaktionen

• Bleibt Kirchenchor – geht nicht zur Oper!“
Karl-Heinz Calles, Katholische Erwachsenenbildung, 25. Dezember 2011
• Les danseurs, la chorale et le Philarmonique, ça promet ! Je pense que je vais aller faire un tour au théâtre pour aller chercher des places !
Christine Wathelet, MCVE Verviers, 22. Dezember 2011
• Max Renne leitet das Königlich Philharmonische Orchester Lüttich und den neben dem Orchester platzierten und von seinem Dirigenten Heinz Piront bestens vorbereiteten Marienchor Eupen.
Hans Reul, BRF-Musikredakteur, 02. Februar 2012
• Mein Dank gilt allen, die sich in dieses Projekt hinein gekniet haben. Wir sind bereit! Es kann losgehen.
Heinz Piront, MCE- Dirigent nach der letzten vorbereitenden Chorprobe, 26. Januar 2012
• Genießt es – genießt alles! Es ist einmalig in einer Sängerkarriere!
Heinz Piront, MCE- Dirigent nach der Generalprobe, 31. Januar 2012
• Ich möchte euch von ganzem Herzen zu eurem, doch wohl verdienten, Erfolg der Aufführung “Odepussy Rex” J gratulieren.  Das habt ihr euch wirklich verdient. Klasse! Ich freue mich mit euch.  Die Mühen haben sich dann doch mehr als gelohnt.  Wie gesagt der Erfolg gibt euch recht.  Und genießt ihn – mit Stolz!!!!!!!
Jodel Mengels, beim Projekt verhinderter MCE-Sänger, 04. Februar 2012
• Ich beglückwünsche Euch zu diesem super tollen Erfolg. Von diesem Erlebnis werdet Ihr sicher noch Jahre zehren und Euch freudig erinnern.
Franz-Josef Sinken, stellvertretender Vorsitzender MGV Linden-Neusen, 04. Februar 2012
• Nachdem, was Du schreibst, muß es ja eine einmalige Sache gewesen sein. Diese Geschichte, die Strawinsky da musikalisch verarbeitet hat ist an sich ja schon sehr  haarig, wobei ich von seiner Musik in dieser Oper in zwei Akten noch nichts gehört habe. Wie ich Deinen Ausführungen, die ich übrigens sehr gut finde, entnommen habe, habt Ihr alles in „Lateinischer Sprache“ gesungen. War das nicht sehr schwierig, diese in Strawinskys synkopenhafter und triolenreicher Musik unterzubringen?
Ich kann mir vorstellen, dass dies sicherlich nicht den musischen Geschmack eines jeden Marienchor – Sängers getroffen hat. Hier hat wahrscheinlich die herausragende, von Euch zu meisternde  Aufgabe den Reiz ausgemacht und dazu auch die außerordentliche Auswahl, einen Laienchor den Profi-Opernchören vorzuziehen. Da kann ich nur sagen „A la bonheur“ für den Marienchor.
Siegfried Palm – Past-Prasident MGV Linden-Neusen, 07. Februar 2012
• Die Musik klingt dabei teils theatralisch, teils fröhlich – und bleibt trotz der großartigen Leistung des Orchestre Philharmonique Royal de Liège und des Eupener Marienchors bei dieser Inszenierung doch im Hintergrund. Die Bedingungen in Lüttich seien nicht mit denen an deutschen Theatern zu vergleichen, wo man mit einem festen Orchester und Chor arbeiten könne. Davon ist allerdings bei Oedipus Rex nichts zu merken, was sicherlich auch darauf zurückzuführen ist, dass Macras den Orchesterleiter Max Renne eng in die Produktion eingebunden hat.
Cordula Singer,Internet-Redakteurin am Goethe-Institut Brüssel

Text: Heribert Kever  - Fotos: David Hagemann


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