Probeseminar in Nidrum - Kgl. MGV Marienchor Eupen

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Probeseminar in Nidrum

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Tropfen für alle ...
Bis auf wenige Abwesende hatte sich die Sängergemeinschaft gut gelaunt und erwartungsvoll im Nidrumer "Haus der Begegnung" zu einem arbeitsreichen Probetag eingefunden. Während draussen zum Wohl der verpulverten Erdböden strömende Maigüsse vom Himmel strömten, erweckte frisch aufgegossener Kaffee die teils noch nicht ganz wachen Chorbrüdergeister. Die ersten Intonationsvorgaben des Chorleiters Paul Voncken ließen nicht lange auf sich warten ....
Das korrekte "A" und "O" als Grundlage für disziplinierte Gesangskultur
Vor den ersten Tönen wurden die Morgenstimmen mit Deklamationsübungen auf Betriebstemperatur aufgewärmt; Vokale und Konsonanten wurden durch gezielte Artikulationstechniken in (Mund-)stellung gebracht. Rasch stellte sich heraus, dass diese Aufwärmübungen den hohen Ansprüchen der zum Singstudium herausgelegten Chorpartituren entsprachen, allen voran Beaudelaires Gedichtvertonung "A une passante" in einem Notenbild des niederländischen Zeitgenossen Hans Leenders.

Vertonung von Emotionen, Betonungen und Wortspielen
Das Gedicht “A une passante“ von Charles Baudelaire (1821-1867) ist Teil des Gedichtbandes Les Fleurs du mal, mit dem er großen Erfolg hatte. “A une passante“ gehört zu Les Petites vieilles, die wiederum zu den Tableaux Parisiens gehören, einer Reihe aus Les Fleurs du mal.
Diese Straßengedichte beschreiben das Leben in der Großstadt, meist in Paris, das viele poetische Themen liefert. Das vorliegende Gedicht ist ein herausragender Vertreter moderner Großstadtlyrik, die von Bedrohung, Hässlichkeit, Einsamkeit, Kriminalität und Modernität handelt.
Der ganze Text ist ein Monolog. Die ersten beiden Strophen sind eine Beschreibung vom Sprecher für den Leser, in der dritten Strophe wird der Adressat zum ersten Mal mit einer rhetorischen Frage direkt angesprochen. Dies ist deshalb eine rhetorische Frage, da es zu keinem Gespräch mit der Frau kommt, obwohl sich das der Sprecher wünscht. Er stellt sich also die Frage selbst. Die letzte Strophe ist ein Dialog zwischen den beiden, aber nur in den Vorstellungen des Sprechers. Dieser richtet sich wieder direkt an die Frau, trotzdem führt er ein Selbstgespräch. Der Ausruf “Ô toi ... savais“ ist ein Vorwurf an die Frau, der Sprecher ist verzweifelt.
(Quelle: Sylvia Hadjetian, Universität Regensburg (Romanistik), Einführungskurs in Franz. Literatur (2001))
Foto:  ©"A une passante" by Thomas Baas
Am Ende des vielfältig-kurzweiligen, aber anspruchsvollen Probetages versammelten sich die Chorbrüder traditionnel an reich gedeckter Speisetafel und rundeten bei schmackhaften Köstlichkeiten aus Keller und Küche gesellig ab.
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